Ein Fehler, den wir bei Bauvorhaben in Lübeck immer wieder beobachten: Es werden umfangreiche Bohrungen zur Bodenklasse abgeteuft, aber die dynamischen Baugrundeigenschaften bleiben völlig unbeachtet. Gerade in einer Stadt mit historischer Bausubstanz wie der Altstadtinsel und den weichen Sedimenten der Trave-Niederung kann das fatale Folgen haben. Der Eurocode 8 fordert für einen standsicheren Erdbebennachweis zwingend die Kenntnis der Bodenklasse über das Scherwellengeschwindigkeitsprofil – und hier setzt die MASW-Methode an. Unser Team hat in den letzten Jahren zahlreiche Messkampagnen vom Hochschulstadtteil bis nach Travemünde durchgeführt und kennt die lokalen Untergrundverhältnisse genau. Die zerstörungsfreie Wellenausbreitungsanalyse liefert uns dabei ein kontinuierliches Vs-Profil, das zusammen mit dem SPT-Bohrung eine präzise Zuordnung der Baugrundklasse nach DIN EN 1998-1/NA ermöglicht.
Die VS30 ist in Lübeck kein theoretischer Parameter: Sie bestimmt, ob Ihr Bauwerk nach Eurocode 8 in die günstige Bodenklasse C oder die ungünstige Klasse E fällt.
Arbeitsumfang in Lubeck

Typische technische Herausforderungen in Lubeck
Das Messequipment für unsere MASW-Kampagnen in Lübeck besteht aus einem 24-Kanal-Seismografen mit hochsensiblen 4.5-Hz-Geophonen, die wir je nach Platzverhältnissen in einer Linie von 46 oder 69 Metern auslegen. Ein typisches Risiko in der Innenstadt: Kopfsteinpflaster und verdichteter Schotter unterliegen einer starken akustischen Dämpfung, die das Signal-Rausch-Verhältnis verschlechtert. Wir arbeiten dann mit einer Stahlplattenkopplung und erhöhter Stack-Anzahl, um trotzdem eine saubere Dispersionskurve zu extrahieren. Noch kritischer sind die weichen organischen Böden entlang der Wakenitz-Niederung – dort sehen wir gelegentlich Inversionsphänomene, bei denen die Geschwindigkeit mit der Tiefe abnimmt. Diese weichen Einschaltungen führen bei Nichtbeachtung zu einer Fehlklassifizierung als Bodenklasse E oder sogar S1, was die Erdbebenlasten für das Bauwerk drastisch erhöht. Die Kombination aus aktiver und passiver Messung hilft uns, diese Effekte sicher zu identifizieren.
Unsere Leistungen
Unser MASW-Leistungsspektrum deckt alle Projektphasen ab, von der Voruntersuchung bei der Grundstücksbewertung bis zur detaillierten Baugrundklassifikation für den Standsicherheitsnachweis. Wir passen das Messregime stets an die spezifischen Lübecker Bodenverhältnisse an:
Aktive MASW-Messung
Kontrollierte seismische Quelle mit einem Vorschlaghammer (8 kg) oder beschleunigtem Fallgewicht. Ideal für flache Profile bis 15–20 m und hohe Auflösung im oberflächennahen Bereich.
Passive Mikrotremor-Messung
Nutzung des natürlichen seismischen Rauschens (Verkehr, Wind, Mikroseismik). Liefert tiefere Informationen bis 50 m und ist unverzichtbar in lärmempfindlichen Bereichen der Lübecker Altstadt.
Kombinierte aktive/passive Messung
Die Standardlösung für den VS30-Nachweis: aktive Messung für hohe Auflösung oberflächennah, passive Messung für größere Tiefen. Auswertung mit gemeinsamer Dispersionskurve und konsistenter Inversion.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet eine MASW-Messung in Lübeck?
Eine MASW-Messung zur VS30-Bestimmung in Lübeck liegt je nach Array-Länge, Zugänglichkeit und Kombination aus aktiver/passiver Quelle zwischen 1.530 € und 3.230 € netto. Der Preis umfasst die Feldmessung, Inversionsrechnung, Erstellung des Vs-Tiefenprofils und die Einstufung in die Baugrundklasse nach DIN EN 1998-1/NA.
Warum reicht eine einfache Rammsondierung nicht aus, um die Erdbebenlast zu bestimmen?
Eine Rammsondierung liefert Spitzendruck und Mantelreibung, aber keine direkte Information über die dynamische Steifigkeit des Bodens bei kleinen Dehnungen. Die VS30 ist ein Parameter, der genau diese Steifigkeit beschreibt und die Baugrundklasse nach Eurocode 8 bestimmt. Die Korrelation von Sondierergebnissen mit Vs-Werten ist in Lübeck wegen der heterogenen Auffüllungen und organischen Zwischenlagen mit großen Unsicherheiten behaftet.
Können Sie die MASW-Messung auch auf einem engen Grundstück in der Lübecker Innenstadt durchführen?
Ja, wir passen das Geophon-Array an die verfügbare Fläche an. Bei beengten Platzverhältnissen arbeiten wir mit einem reduzierten Array von 23 Metern Länge und kombinieren dies mit einer passiven Mikrotremor-Messung, um die erforderliche Erkundungstiefe von 30 Metern trotzdem zu erreichen. Die Kopplung auf Pflaster oder Asphalt erfolgt mit Stahlplatten und Wachs, um die Signalübertragung sicherzustellen.
Welche Baugrundklassen sind in Lübeck typisch?
In Lübeck finden wir je nach Lage sehr unterschiedliche Baugrundklassen: Die sandig-kiesigen Hochflächen (St. Jürgen, St. Gertrud) fallen meist in Klasse C (350–800 m/s VS30), während die Niederungsbereiche an Trave und Wakenitz mit weichen Auffüllungen und organischen Schichten häufig Klasse D oder E (VS30 < 180 m/s) erreichen. Das kann die Erdbebenlasten für ein Bauwerk um den Faktor 1,4 erhöhen.